top of page

Was ist kommunale Aufgabenkritik?

9. Okt.
3 Min. Lesezeit
Aufgabenkritik Prozessschritte

Kommunen stehen zunehmend vor der Frage, wie sie ihre Aufgaben dauerhaft finanzierbar organisieren können. Dabei reicht es nicht, nur zwischen Pflichtaufgaben und freiwilligen Aufgaben zu unterscheiden.


Denn auch bei Pflichtaufgaben kann es Unterschiede darin geben, wie eine Leistung erbracht wird, in welchem Umfang und mit welchem Ressourceneinsatz.


Genau hier setzt die kommunale Aufgabenkritik an.

Sie untersucht systematisch, welche Aufgaben erforderlich sind, in welchem Umfang sie erbracht werden müssen und ob ihre Ausführung anders organisiert werden kann.


Traditionell wird dabei zwischen zwei Perspektiven unterschieden:

Zweckkritik und Vollzugskritik.


Was bedeutet Zweckkritik?

Die Zweckkritik fragt nach dem Ob und dem Umfang einer Aufgabe.


Typische Fragen sind:

  • Ist die Aufgabe weiterhin erforderlich?

  • Ist sie gesetzlich verpflichtend oder freiwillig?

  • Muss sie in ihrem heutigen Umfang erbracht werden?

  • Gibt es Leistungen innerhalb der Aufgabe, die verändert oder reduziert werden können?

  • Welcher Mindeststandard ist tatsächlich erforderlich?


Gerade bei Pflichtaufgaben ist diese letzte Frage besonders wichtig. Denn eine Pflicht zur Aufgabenerfüllung bedeutet nicht automatisch, dass jede heutige Ausgestaltung zwingend vorgegeben ist.


Deshalb lohnt sich der Vergleich zwischen:

gefordertem Standard und tatsächlich erbrachtem Standard.

Liegt der Ist-Standard über dem erforderlichen Niveau, kann ein Handlungsspielraum bestehen. Das heißt noch nicht, dass die Kommune diesen Spielraum nutzen sollte. Es bedeutet zunächst nur, dass sie ihn sichtbar und bewusst bewertbar macht.


Was bedeutet Vollzugskritik?

Die Vollzugskritik fragt dagegen nach dem Wie. Wenn feststeht, dass eine Aufgabe erforderlich ist, wird untersucht, ob sie anders ausgeführt werden kann.


Zum Beispiel:

  • Können Prozesse vereinfacht werden?

  • Kann der Ressourceneinsatz reduziert werden?

  • Lassen sich Aufgaben bündeln oder zentralisieren?

  • Können Leistungen digital oder automatisiert erbracht werden?

  • Gibt es andere organisatorische Modelle?

  • Welche Auswirkungen hätten unterschiedliche Leistungsvarianten?


Damit richtet sich der Blick nicht nur auf die Aufgabe selbst, sondern auf ihre Ausführung.

Eine Pflichtaufgabe kann also weiterhin vollständig erfüllt werden, während sich Prozesse, Organisation oder Ressourceneinsatz verändern.


Zweckkritik und Vollzugskritik gehören zusammen

In der Praxis sollten beide Perspektiven nicht isoliert betrachtet werden.

Eine strukturierte Aufgabenkritik kann beispielsweise so aufgebaut sein:


1. Aufgabe verstehen: Pflichtgrad, Leistungsstandard, Kosten, Personal, Mengen und Wirkung zusammenführen.

2. Aufgabe hinterfragen: Ist die Aufgabe erforderlich? Ist der aktuelle Leistungsumfang erforderlich? Zweckkritik und Vollzugskritik

3. Alternativen entwickeln: Leistungsvarianten mit verändertem Standard, Ressourceneinsatz oder Prozess betrachten.

4. Kosten und Wirkung vergleichen: Finanzielle Auswirkungen und Folgen für Leistung und Wirkung transparent gegenüberstellen.

5. Entscheidung umsetzen: Beschlossene Variante als Konsolidierungsmaßnahme anlegen und weiterverfolgen.


Erst daraus entsteht eine belastbare Entscheidungsgrundlage.


Warum Aufgabenkritik mehr Informationen braucht als eine Aufgabenliste

Eine reine Aufgabeninventur reicht dafür nicht aus. Damit Handlungsspielräume erkennbar werden, sollten je Aufgabe zusätzliche Informationen zusammengeführt werden, zum Beispiel:

  • Rechtsgrundlage

  • Pflicht- oder Freiwilligkeitsgrad

  • Mindeststandard

  • tatsächlich erbrachter Standard

  • Aufwendungen und Erträge

  • Personalressourcen

  • Mengen und Fallzahlen

  • Beeinflussbarkeit

  • strategische oder wirkungsbezogene Relevanz


Erst in dieser Gesamtsicht wird sichtbar, wo sich eine vertiefte Prüfung lohnt.

Eine Aufgabe mit hoher Ressourcenbindung und deutlichem Abstand zwischen erforderlichem und tatsächlich erbrachtem Standard kann beispielsweise einen anderen Prüfbedarf haben als eine kleine freiwillige Aufgabe mit geringer finanzieller Wirkung.


Aufgabenkritik als Teil der Haushaltskonsolidierung

Gerade in Konsolidierungsprozessen kann Aufgabenkritik helfen, Entscheidungen breiter abzustützen. Statt ausschließlich nach kurzfristigen Kürzungen zu suchen, können Kommunen systematisch untersuchen:

Welche Leistungen müssen wir erbringen? Welche Standards haben wir gewählt? Welche Ressourcen setzen wir dafür ein?Welche Alternativen bestehen? Welche Folgen hätten Veränderungen?

Damit wird Haushaltskonsolidierung zu einer Steuerungsaufgabe und nicht nur zu einer Suche nach Einsparpositionen.


Wie comuneo Aufgabenkritik unterstützt

comuneo führt Aufgaben, Ressourcen, Leistungsstandards und weitere Steuerungsinformationen in einer gemeinsamen Datenbasis zusammen.


Das Aufgabenportfolio schafft damit eine Grundlage, um Handlungsspielräume sichtbar zu machen und Aufgaben gezielt für eine vertiefte Prüfung zu priorisieren. Darauf aufbauend wird der Prozess der Aufgabenkritik schrittweise erweitert, unter anderem um Zweckkritik, Vollzugskritik und die Betrachtung unterschiedlicher Leistungsvarianten.



Sie wollen unsere Aufgabenfunktionen kennenlernen?



bottom of page